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German Working Papers in Law and Economics
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Volume 2004

AUTHOR:
Klaus Heine and Karl-Heinz Schild

TITLE:
Ökonomische Bewertung von Kündigungsschutzregeln

SUGGESTED CITATION:
Klaus Heine and Karl-Heinz Schild (2004) "Ökonomische Bewertung von Kündigungsschutzregeln", German Working Papers in Law and Economics: Vol. 2004: Article 23.
http://www.bepress.com/gwp/default/vol2004/iss1/art23


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ABSTRACT:

Um die Probleme des deutschen Arbeitsmarktes zu lösen, wird immer wieder eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes gefordert. Dahinter steckt meist die Idee, das „(Flächen-) Tarifkartell“ von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden aufzubrechen und die Lohnverhandlungen vermehrt auf betrieblicher Ebene anzusiedeln, so dass es zu einer stärker produktivitätsorientierten Lohnpolitik kommt. Unter der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ist aber nicht nur eine Reform des Lohnverhandlungsprozesses zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern zu verstehen, sondern auch eine Veränderung beziehungsweise Lockerung der rechtlichen Regelungen, die das Arbeitsverhältnis betreffen. Konkret geht es in dieser Diskussion meist um eine Lockerung des Kündigungsschutzes, damit sich Unternehmen bei sich verschlechternder geschäftlicher Situation durch eine Reduktion der Lohnkosten besser an die Marktbedingungen anpassen können. Es gibt natürlich gute Gründe für einen gesetzlichen Kündigungsschutz. Aus ökonomischer Sicht lässt sich beispielsweise argumentieren, dass Arbeitnehmer nur zur Bildung von betriebsspezifischem Humankapital bereit sein werden, wenn sie vor der Erpressung (Hold-up) der Quasirente durch Drohung mit Entlassung durch den Arbeitgeber hinreichend geschützt werden. Diese grundsätzliche Rechtfertigung des Kündigungsschutzes sagt freilich wenig darüber aus, ob der derzeitige Kündigungsschutz in Deutschland ökonomisch effizient gestaltet ist. Die Vermutung ist vielmehr, dass er zu hoch ist, also ein Schutzniveau erreicht hat, bei dem die negativen Effekte des Kündigungsschutzes die positiven Wirkungen übersteigen. Ein Vorschlag zur Flexibilisierung des Kündigungsschutzes, der in jüngster Zeit vermehrt in die Diskussion eingebracht worden ist, ist das sogenannte „Optionsmodell“ des Kündigungsschutzes. Nach Vorstellung eines Gesetzesvorschlags der CDU/CSU-Fraktion des deutschen Bundestages aus dem Sommer 2003 und des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem Jahregutachten für das Jahr 2003/04 sollte es Arbeitnehmern möglich sein, ihren gesetzlich garantierten Kündigungsschutz abzubedingen. Im Gegenzug sollten Arbeitnehmer eine Prämie auf ihren Lohn erhalten oder eine entsprechende Abfindung im Falle der Kündigung. Von einer solchen Änderung des Kündigungsschutzes verspricht man sich, dass Unternehmen zusätzliche Arbeitsplätze Arbeitnehmern anbieten, die bereit sind, auf den Kündigungsschutz zu verzichten. Die Fragen, die sich unmittelbar stellen sind: Welchen Wert hat das Kündigungsschutzrecht, das ein Arbeitnehmer aufgibt? Und führen die derzeit zur Ermittlung von Abfindungen angewendeten Verfahren zu ökonomisch sinnvollen Größenordnungen von Abfindungen? Ganz praktisch muss ja ein Geldbetrag zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer festgelegt werden, den der Arbeitnehmer für die Abtretung seines Kündigungsschutzes erhält. Hierfür hat der Sachverständigenrat eine Beispielrechnung angestellt, in die als Parameter das Gehalt, die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, die Entlassungswahrscheinlichkeit und die Praxis der Arbeitsgerichte eingeht. Man kann dieses Vorgehen im Prinzip als eine Kapitalwertrechnung bezeichnen, in der der Arbeitgeber bestimmt, wann es für ihn günstiger ist, dem Arbeitnehmer den Kündigungsschutz abzukaufen und wann es günstiger ist, die erwartbaren Kündigungskosten zu tragen. Hier soll jedoch ein anderer Weg zur Bestimmung des Wertes von Kündigungsschutzregeln eingeschlagen werden. Und zwar soll das Problem mit Hilfe der Realoptionspreistheorie untersucht werden. Die Realoptionspreistheorie überträgt den Ansatz der Optionspreistheorie aus dem Bereich der Finanzwelt auf die Realgütersphäre. Allgemein versucht der Optionspreisansatz dabei den mit Handlungsspielräumen verbundenen Flexibilitäten einen Wert beizumessen, was mit dem Ansatz der Kapitalwertrechnung nicht möglich ist. Die Realoptionspreistheorie entwickelt dabei ein nichtdeterministisches Kalkül für Investitionsentscheidungen unter Unsicherheit. Im Folgenden werden zunächst die arbeitsrechtlichen Vorschläge der CDU/CSU-Fraktion beziehungsweise die Vorschläge des Sachverständigenrates dargestellt (Abschnitt B) und das darin enthaltene Optionskalkül herausgearbeitet (Abschnitt C). Anschließend soll anhand einiger modelltheoretischer Überlegungen etwas genauer untersucht werden, welche Parameter der Arbeitsbeziehung besonders sensitiv in Hinblick auf den Optionswert des Kündigungsschutzes sind (Abschnitt D). Schließlich werden einige wirtschafts- und rechtspolitische Folgerungen zur Gestaltung des Kündigungsschutzes aus Sicht der Realoptionspreistheorie gezogen (Abschnitt E). Die Ausführungen beziehen sich größtenteils auf die deutsche Diskussion um eine Reformierung des Kündigungsschutzes, dennoch sind die Aussagen, die mittels der Realoptionspreistheorie gemacht werden, auf das Problem des Kündigungsschutzes allgemein anwendbar.




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